Maske

Die Liebe in Zeiten des Coronavirus

Was bedeutet diese Krise für unsere Beziehung und Familie?

Zunächst Angst vor Ansteckung, Erkrankung, Tod.

Für sich selbst oder nahe Menschen, denen man dann nicht beistehen kann.

Dann Angst vor finanziellem Schaden, keine Arbeit, weniger Aufträge, Verluste bei Geldanlagen. Wir werden damit konfrontiert, dass das Leben weniger steuerbar ist, als wir dachten.

Das ist ein Schock für viele, die ihr Leben so gut strukturiert und geplant hatten und Unglücke bisher für Planungsfehler bzw. mangelnde Voraussicht hielten.

Hinzu kommt, dass wir mit einigen Unannehmlichkeiten belastet sind.

Einkaufen dauert länger und manchmal gibt es nicht alles, was auf unserem Zettel stand.

Die Kinder sind ganztags zu Hause, wollen bespasst und zum Lernen angehalten werden.

Manche müssen ihre Arbeit im home office bei Kindergeschrei und Störungen ableisten. Andere bleiben ohne Arbeit und müssen den Tag strukturieren, eine ungewohnte Sinnsuche.

Singles sind einsamer, als sonst.

Freundschaften sind schwieriger aufrecht zu erhalten.

Und Paare? Sie haben einander und zu zweit ist alles zu schaffen? Ja und nein. Das große Thema hier ist Nähe und Distanz.

Das ewige Spiel von Rückzug und Begegnung wird jetzt nicht mehr von Sachzwängen wie Arbeiten gehen oder das Haus wegen Hobbys verlassen geregelt. Viele vermeiden hier die Konfrontation. Sie wollen den Partner nicht enttäuschen, oder fühlen sich schuldig, weil sie nicht so die Nähe suchen. Ihr Trick ist, sich halb einzulassen. Zuhören, wo sie nicht zuhören wollen. Mitmachen, wo sie nicht mitmachen wollen. Aber das bleibt nicht unbemerkt und die Halbherzigkeit macht eine tiefere Enttäuschung als eine vorübergehende Enttäuschung.

Wir sind auf engem Raum beieinander und müssen lernen zu signalisieren, ob wir gerade auf Empfang sind oder nicht.

Akzeptieren, dass nicht jeder gleichviel Bedürfnis nach Gemeinschaft hat. Und das das eine Typsache ist und kein Qualitätsmerkmal der Liebe.

Es ist zu lernen, bei Konflikten zeitnah klare Worte zu sprechen, aber auch nicht alles wie einen Konflikt zu behandeln.

Was heißt das?

Eva sagt, die Kinder sollen nicht länger als eine Stunde am Tag am PC sein. Doch schon nach dem Mittagessen knickt sie unter dem Druck, den die Teenager aufbauen, ein.

Die Versuchung ist groß, dass Jan ihr Inkonsequenz vorwirft. Ein Streit entbrennt, wer inkonsequenter ist, wer mehr belastet ist usw.

Hier wäre Güte hilfreicher. Ein Satz wie: So geht es mir auch oft, morgen ist ein neuer Tag.

Also die Krise macht das, was alle Krisen machen. Sie gibt uns die Chance besser zu werden. Aufmerksamer auf das zu werden, was wir oder was der Andere will.

In den Dingen, die wir jetzt nicht tun können, die Ablenkung von wichtigen Fragen zu sehen.

Wie kann man Zeit mit sich oder miteinander verbringen, ohne zu konsumieren?

Sicher man kann sich Arbeit suchen. Die Wohnung putzen, die Garage aufräumen, lang aufgestaute Reparaturen machen.

Auch Zündstoff für manche Beziehung. Der Eine sagt machen, machen, machen – ja nicht nachlassen! Der Andere will endlich mal die Zeit fließen lassen.

Eine neue Situation bedeutet auch, dass die häusliche Arbeit neu verteilt werden muss.

Nutzen wir die Chance, nirgends hin zu müssen, und von der Hektik des Alltags zu unserem eigenen Tempo zu kommen.

Lassen wir es zu, dass die Kinder sich auch mal langweilen. Ist doch die Langeweile die Mutter der Kreativität.

Den Frühling beobachten, Spaziergänge machen, Stadt, Land, Fluss spielen. Zwischendurch Nichts machen. Sich unterhalten, Zuhören, Schweigen, Entschleunigen.

Aushalten nicht nützlich zu sein.

Was wollen wir im Leben? Was ist uns wichtig? Wer ist uns wichtig? Wen vermissen wir und wen eben nicht? Wie können wir unsere Beziehungen verbessern, toleranter, verständnisvoller und aufmerksamer werden?

Das Leben ist eine Schule mit individuellem Lehrplan. Sie hat nie geschlossen, man kann nicht sitzenbleiben, keine schlechten Noten bekommen, nur gewinnen also, wenn man dafür offen ist.

Bleiben Sie gesund,
Herzliche Grüße Andrea Krüger

Vorheriges Thema: Depression.